Etwas das oft nicht gesehen wird, ist die viele Arbeit, die vor einer Ratssitzung liegt.

Ein Ratsmitglied bekommt von der Verwaltung Unterlagen – und das nicht zu knapp – über die dann in öffentlicher- oder nicht öffentlicher Sitzung entschieden wird. Einfach nur durchlesen ist nicht. Da muss man sich bei vielen Sachgebieten schlau machen und recherchieren.

Ein Beispiel:

Im Hopfengarten sollte ein Neubau errichtet werden. Bauzeichnung und Beschreibung waren der Vorlage beigelegt. Alles soweit in Ordnung. Dummerweise stand in der Vorlage, dass das Baugebiet für maximal zweigeschossige Bebauung freigegeben ist. Das Haus sah mir aber nach mindestens dreigeschossig aus. Mit voll ausgebautem Dachgeschoss. Doch wann ist ein Dachgeschoss ein vollwertiges Geschoss und muss laut Bebauungsplan auch so angesehen werden? Otto-Normal-Ratsfrau oder -Ratsherr weiß so etwas nicht. Ich wusste es auch nicht. Also nachforschen – ich will ja nicht dumm sterben. Und das zog sich hin . . .

Es stellte sich heraus, dass mindestens 70% der Fläche eine Wandhöhe von 1,35m aufweisen muss. Dann ist es ein Geschoss. Diese Bedingung war erfüllt und dieses Haus darf im Hopfengarten einfach nicht gebaut werden.

Bei meiner Überzeugungsarbeit mit der CDU-Fraktion (die ja schon alles mit der SPD abgesprochen hatte), konnte ich vor der Sitzung deren Meinung zum Ratsbeschluss in ein Nein ändern.

Die Diskussion in der folgenden Ratssitzung gestaltete sich etwas lautstark. Nebenbei wurde dann auch mal ein Geschoss zu einem Stockwerk und so weiter . . . Das Ende vom Lied war dann, dass die SPD mit einer Stimme Mehrheit diese Fehlentscheidung durchgewunken hat. Man könnte sagen, dass ich mir die Mühe hätte sparen können. Aber dafür hatte ich mich damals nicht wählen lassen. Hinschauen und nicht weggucken!

Ekkehard Rautmann